In letzter zeit ist es erneut zu heftigen diskussionen über geschehnisse gekommen, die nach einem selbst errichteten definitionsmonopol einiger als „TAT“ definiert wurden und werden. Für andere menschen waren und sind dies nicht nachvollziehbare vorwürfe. Und damit ist nicht gemeint, dass menschen aus bequemlichkeit diese vorwürfe ignoriert hätten o.ä.!
Dieser text soll ausdrücklich eine diskussionsgrundlage sein, gewissermaßen eine sammlung von eindrücken, die anders als in dieser form keine verarbeitung gefunden haben
Ein mangel dieses papiers ist sicherlich die undurchsichtigkeit, da vorgefallenes im detail hier nicht thematisiert werden soll, dies liegt u. a. daran, dass kein interesse besteht konkrete fälle in den mittelpunkt der diskussion zu stellen, da dies gegen die wünsche betroffener personen sein könnte.
Vielmehr soll es, nachdem katastrophale auseinandersetzungen stattgefunden haben, darum gehen das verhalten der antisexistischen-praxis-gruppe(n), als die sie sich verstehen, zu hinterfragen und einfluss auf die durch deren politik geschaffene realität zu nehmen. Die Kritik richtet sich aber explizit auch an diejenigen, welche diese positionen kritiklos übernehmen und dadurch an einer atmosphäre mitarbeiten in der keine diskussion mehr möglich scheint. Gewünscht ist eine allgemeine auseinandersetzung jenseits der direkt und unmittelbar betroffenen anzustoßen.
den umgang mit sexueller gewalt und den umgang mit diesbezüglichen vorwürfen zu hinterfragen, erscheint von vornherein ausgeschlossen. Will man doch weder zu einer retraumatisierung beitragen, noch derartige vorwürfe bezweifeln. Diese position kann aber nur gehalten werden, wenn sich alle beteiligten über die zerbrechlichkeit dieser praxis bewusst sind und sich entsprechend verhalten. Wenn dieses prinzip der solidarität missbraucht wird, um machtpolitik zu betreiben, um ungelöste persönliche konflikte auszutragen wird es zu einer bedrohung und nicht zu einem schutzwerkzeug! Zurzeit muss der unterschied zwischen einer tat und einem vorwurf deutlich sein!
Der vermeintlich „richtige“ umgang, wenn ein mensch von sexueller gewalt erfährt – nämlich sich sofort und ohne fragen hinter das opfer zu stellen und dem täter die kalte faust zu zeigen – läuft oft geradezu reflexhaft ab. Diese solidarischen „errungenschaften“ in frage zu stellen, gerade weil diese innerhalb der mehrheitsgesellschaft noch nicht erkämpft sind, ist somit verdammt schwer, denn ein mit dem opfer solidarischer umgang ist zumeist auch bestandteil des eigenen selbstbildes und der eigenen politischen identität.
Aber es sind erhebliche zweifel an der vorherrschenden „antisexistischen“-praxis entstanden! Da diese praxis in einer „linken nische“ erlebt wurde, muss es doch die möglichkeit geben, über diese zu diskutieren. Die grundideen sollten vergegenwärtigt werden und in zweifelsfall muss auch mit der erarbeiteten logik gebrochen werden, wenn diese in ihren heutigen erscheinungsformen oder in einzelfällen nicht mehr zu vertreten und zu verstehen ist.
Durch die verneinung der aktuellen szenetypischen umgangsart einiger werden die existierenden verhältnisse der mehrheitsgesellschaft nicht bejaht. Es bedeutet aber, dass man neue/andere erkenntnisse und umgangsformen an diese stelle setzt!
Da es im rahmen der stattgefundenen „antisexistischen“ arbeit keinen platz dafür gab, wollen ein paar dinge hier gesagt werden:
Ja, leider leben wir in einer patriarchalen gesellschaft. Viele frauen und männer, sind opfer dieses zustandes und auch männer und frauen sind trägerinnen dieser zustände.
Männer und frauen und… können fies sein, lügen, sich rächen, schlagen, sexuelle gewalt oder psychische gewalt ausüben etc… Auch wenn die gesellschaftlichen verhältnissen berücksichtigt werden, in denen männer sehr viel häufiger täter sind, gerade was körperliche und sexuelle gewalt betrifft, kann doch dieser sachverhalt nicht automatisch zu einer kollektivschuld von männern und kollektivbetroffenheit von frauen führen.
Dies wurde zwar nicht ausgesprochen, aber diese logik war im
umgang stets anwesend. Diese logik ist auch wegen der starken
zweigeschlechtlichen festschreibung inkl. vermeintlicher
verhaltensweisen abzulehnen!
In den situationen aus denen diese überlegungen resultieren, standen die beteiligten menschen zumeist in einem sehr intimen und komplizierten verhältnis zueinander und es ist im nachhinein einfach nicht zu klären, ob die wirklichkeit und das erleben der einen person der anderen bewußt war. Die erlebnisse der betroffenen personen wichtig zu nehmen, soll hier klar bejaht werden, aber wenn die opfer-täter-kategorisierung nicht möglich ist und beide betroffene sich betroffen fühlen, sollte doch sehr vorsichtig und verantwortungsvoll mit einer solchen situation umgegangen werden. Dies kann nicht gelingen, wenn die ganze thematisierung in einer totalen dämonisierung einer betroffenen person besteht. Die personen, welche als täter bezeichnet wurden, durften sich weder zu den vorwürfen äußern, noch durfte ein gemeinsames umfeld die eigenen erlebnisse, die sich nicht mit den vorstellungen der „antisex…“ deckten, mitteilen. Jegliches abweichen von einem vorgeschriebenen handlungsablauf, der automatisch als der einzig wahre (!) umgang allen beteiligten diktiert wurde und welcher eine totale aberkennung jeglicher eigener erfahrungen implizierte, hatte zur folge, dass bei infragestellung dieser handlungsweise, diese personen wie mit-täter_innen behandelt wurden.
Da solche erlebnisse mittlerweile ziemlich viele menschen irritiert, die sich als links, emanzipiert und kritisch verstehen und einer verantwortungsvollen refexion und auseinandersetzung gegenüber offen sind und es viele betroffene menschen gibt, die in ihrer politischen arbeit, in ihrem leben eingeschränkt sind, ist ein anderer umgang dringend nötig!
Das definitionsrecht eines betroffenen menschens soll nicht in frage gestellt werden, aber es soll einen unterschied geben, zwischen dem recht, seine erlebnisse zu thematisieren, seine wut, angst, verletztheit, enttäuschung zu kommunizieren und der macht über „alleinwahrheit und bestrafung“ zu verfügen. Dadurch könnte auch ermöglicht werden, dass sich sowohl diejenige person der das fehlverhalten vorgeworfen wird, als auch das umfeld nicht die notwendigkeit empfinden, sich von einer „linken“ zu distanzieren, welche diese haarsträubenden aktionen der sog. antisexistisch-agierenden-gruppen automatisch mit trägt.
Der umgang mit sexuellen übergriffen oder mit dem vorwurf des sexuellen übergriffs ist ein schwieriger, denn was einem menschen angetan wird, wenn man seine grenzen verletzt und/oder ihm gewalt antut ist eine furchtbare. Dies soll auch in keinster weise verharmlost werden, nur darf bei dem versuch einem betroffenen menschen helfen zu wollen nicht billigend in kauf genommen werden andere betroffene zu schaffen.
Ein weiteres problem besteht beim verwendeten vokabular. Es mag überlegungen geben, nach denen es sinn macht, übergriffiges verhalten und sexuelle gewalt als tatbstand nicht weiter zu differenzieren, so dass das individuelle erleben als einzige kategorie existiert, um eine konkurrenz von taten und empfindungen auszuhebeln …, aber dies schafft z.t. auch andere probleme. Wenn vermittelt wird, dass zwischen hand–aufs-knie-legen und die rücknahme der hand bei aufforderung und übergriffen, wie zwischen-die-beine-greifen und nicht aufhören, kein unterschied besteht, erschwert dies einen besonnenen umgang extrem. Bei der thematisierung als sexuelle gewalt kommt es dann dazu, dass in den köpfen derjenigen die damit konfrontiert werden, ihre eigenen assoziationen ungehemmt raum greifen (können).Das schließt eigener erfahrungen und betroffenheiten mit ein, die aber dem konkreten „fall“ nicht selten gerecht werden. Da aber über den „fall“ nicht näher gesprochen werden darf, entsteht dadurch eine dynamik, die auch die „antisexistischen praxis-gruppen“ selbst nicht überblicken oder bremsen können, selbst wenn dies gewollt wäre. Ein weiteres ungelöstes problem…
Es wäre schön, wenn sich mehr politische zusammenhänge und einzelpersonen in diese diskussion einmischen würden, da diese leider zumeist erst dann stattfinden, wenn – auf die eine oder andere art- eine person selber zum betroffenenkreis gehört.
Für das recht auf eine kritische auseinandersetzung mit den methoden von GAP und ähnlicher zusammenhänge!
Für das recht das eigene erleben und empfinden nicht einer doktrin unterzuordnen!
Gegen die bevormundung durch „antisexistisch“-arbeitender-gruppen, welche dem eigenen denken und fragen keinen platz geben, nicht überzeugen, sondern diktieren und drohen!
Gegen die stigmatisierung von frauen, als schwache opfer – und für deren stärkung, NEIN zu meinen und zu sagen!
Kommentare
@seltsam, seltsam, ariadne, jupiter, kronos, kronos [...]
NoDefMa
tullipan, loom, Lomo, Aktivistischer Mensch, loom, trill [...]
tullipan, naja, kritikderpraxis, Daphne, classless
Defmakritik, onetwo, loom, t., Lenni, feli [...]