Allgemein:

Einen kurzen Abriss der Bewegungslinken (ArbeiterInnenbewegung, 67/68er, Autonome Bewegung, Antifa, Queer) unter dem Focus der „Geschlechterproblematik“, gerade innerhalb der Linken gibt Bernd Hüttner, Linke Beziehungsgeschichte(n) (2005) Geht allerdings nicht auf die hier diskutierten Probleme ein.

In weiten Teilen sehr schöner Text der Berliner Gruppe fels (vermutlich anfang 2001: arranca 21) über die Geschichte der Auseinandersetzung in der radikalen Linken rund um das Thema, einer Suche nach Ursachen, Sexualität, Körper und Privatheit. Ausserdem ein Teil mit einer etwas mageren Andeutung von „antisexistischen Perspektiven“.

Phase-2-Text aus dem Jahr 2001, der versucht, zu ergründen, warum sich die Linke mit „solch intensiver Emotionalität“ und immer mit den sog. Vergewaltigungsdebatten beschäftigt. Er versucht den in ihr enthaltenen Anteil der Identitäts(re)produktion herauszustellen. der Text weist auch auf die Assoziationen hin, die mit Wörtern wie Vergewaltiger oder „Täterschützer“ verbunden sind bzw. sein können, und inwiefern Teile der gängigen Praxis naturalisierte Geschlechtsbilder aufgreifen und verstärken. Spannend!

Text der AG Antifa im Stura Halle, der sich daran versucht, die tieferen Ursachen für die Art des Umgang der Szene mit Sexismus/Vergewaltigungsvorwürfen zu ergründen. Leider im Allgemeinen aus einer etwas besserwisserischen Position heraus geschrieben, die in ihrer Polemik kaum noch solidarisch genannt werden kann. Trotzdem finden sich hier spannende Denkansätze, der spannendste sei hier kurz erwähnt:
Die AutorInnen vermuten, dass in der linken Szene bestimmte Praxen, die sich hauptsächlich dem Kritisieren und Verändern der Individuen der eigenen Szene widmen, so hohe Bedeutung erlangt haben, weil die Hoffnung, die Gesellschaft zu verändern, eigentlich schon aufgegeben sei: „In einer Zeit der verstellten Praxis, in einer Zeit also, in der keine Veränderungen herbeigeführt werden können, die diesen Namen verdienen, bleibt den Organisationen nur noch die Möglichkeit, ihre Mitglieder zu verändern. “

Bei dieser Seminarmitschrift findet sich eine stichwortartige Zusammenfassung zum “Umgang mit Grenzverletzungen, Alternativen zur gängigen Rauswurf-Praxis”. Ist als Stichwortsammlung ziemlich ergiebig.

Debatte:

Hier findet sich eine mehr oder weniger komplette dokumentation der vergewaltigungsdebatte, berlin 1999/2000 (eigentlich eine debatte um defintions- und sanktionsrecht und wie weit diese reichen – ca. 25 texte und stellungnahmen in chronologischer reihenfolge)
infopartisan
nadir

Im Fall von Jörg aus der Projektwerkstatt ist das Ganze auf die Spitze getrieben: Ihm wird ‚lediglich‘ „dominantes und sexistisches Verhalten“ vorgeworfen und in diesem Brief wird darum sein Ausschluss aus allen (bundesweiten) Zusammenhängen gefordert.
Jörg wurde von als Referent von einer Veranstaltung ausgeladen, dieser Brief ist die Begründung dafür.
„Die ablehnende Haltung gegen diesen Brief“ von Teilen des Vorbereitungskreis der Veranstaltung bezeichnen die Schreiberinnen als „täterschützend“. (Eine andere Sicht darauf in der Antwort auf diesen Brief)
Jörgs Antwort ist lang, ausführlich und sehr lesenswert.

Sehr langer text aus dem umfeld der projektwerkstatt saasen, november 2000 mit Kritik an verschiedenen Aspekten der aktuellen Sexismusdebatte und „Vorschlägen für eine Weiterentwicklung von Debatte und Praxis“.

Papier „Antisexistische Praxis vor der Revolution“ – kurze kritik an der „vorherrschenden antisexistischen Praxis“ aus dekonstruktivistischer sicht

Text Juni 2000: „Let’s take a walk on the wild side“
Text mit Überlegungen rund um das Definitionsrecht mit einer sympathischen Offenheit: „Um es gleich zu Beginn unseres Beitrags auf den Punkt zu bringen: Wir wollen das Definitionsrecht der Frau nicht abschaffen, wir wollen aber das Verbot übertreten und es hinterfragen. “
Der Text ist unterteilt in mehrere Abschnitte:
„The white side“ beschreibt die Errungenschaften des Feminismus, die mit der Verbreitung des Definitionsrechtes vor 30 Jahren verbunden sind.
„The Black Side“ ist das „Geheimnis“, dass es immer wieder vorgekommen ist, das mit der „Definitionsmacht unehrlich umgegangen wurde oder sie mißbraucht wurde“
„The Gray scale“ spricht über Grenzfälle und Perspektive, verschiedene Wirklichkeiten: „Wenn eine Frau sagt, sie ist vergewaltigt worden, bedeutet der Umkehrschluss nicht automatisch, dass der Mann ein Vergewaltiger ist.“
In „turning the tide“ versuchen Autorin und Autor vorsichtig Perspektiven zu entwickeln, die trotz der Kürze nah an den Vorschlägen des „intimate violence“-textes liegen.

Der Hase im Pfeffer – Kürzerer Text von einer Einzelperson der sich das Definitionsrecht anschaut und zu dem Schluss kommt, das Problem sei nicht das Definitionsrecht selbst, sondern der Umgang damit. Was problematisch ist und was nicht, bleibt allerdings offen.

und nochmal les madeleines zur bahamas, der aab-diskussion und der szene

Im allgemeinen sind wenige versuche, zwischen definititionsmacht und -recht zu unterscheiden, bzw sie überhaupt zu beschreiben, zu finden. So gut wie nie taucht so etwas wie ein „sanktionsrecht“ auf, was häufig praktiziert wird, aber definitionsmacht oder schutzraum-konzept genannt wird. hier die uns bekannten:

Definitionsrecht“ von les madeleines, guter text mit interessanten quellenangaben, aber einem problematischen Teil zum Thema Nein-heißt-Nein

gruppe mamba (in einem furchtbar schlecht zu lesenden layout) text zur definitionsmacht, vor allem der 4. Abschnitt ist der versuch einer unterscheidung zwischen definitionsrecht und -macht
besser lesbar bei gender-killer

unhaltbarer bahamas-text („infantile inquisition“) der aber immer wieder gerne als pars pro totto (will sagen als Beispiel) für eine kritik an den szenepraxen herhalten muss, auch wenn sich der argumentationweise und dem stil dieses textes wohl kaum jemand anschliesst.

Definitionsmacht.tk
Homepage einer Kampagne für das Definitionsrecht bzw. die Definitionsmacht (so genau wird das im Kampagnentext nicht genommen…). Mit zwei Texten zusätzlich zur Erklärung der Kampagne und einem Plakat zum runterladen. Ausserdem eine Linkliste, auf dem sich genau ein Link befindet, und zwar zum AntisexismusbündnisBerlin. Eine Kritik des einen Textes („Debatten zur Definitionsmacht und der Versuch einer notwendigen Antwort“) haben wir auf unserem Blog veröffentlicht.

Folgt man dem Link zum Antisexismusbündnis kommt mensch momentan nur auf die Seite der Antifa Hohenschönhausen.
Die Seiten des Berliner Bündnisses
finden sich aber nach etwas Suche doch noch.

Blogkram
Beim maedchenblog gibt es eine Diskussion über die as_ism2 Broschüre und die Nein-heißt-Nein Kampagne mit über 70 Diskussionsbeiträgen.

An selbiger Stelle ist die aktuelle Veröffentlichung einiger UnterstützerInnen-Gruppen zu einem Fall aus Hamburg dokumentiert und diskutiert.

Der „bad blog“ kritisiert ausführlich den Beitrag „Die deutsche Mehrheitsgesellschaft entdeckt die Frauenunterdrückung Oder: Wer ist eigentlich Christiane Klawitter?“ aus dem as_ism2-Reader. Leseeindruck: Mist.

„nichtidentisches“ versucht sich an einer kritik des „nein heißt nein“-Plakates. Ein paar brauchbare Passagen, aber insgesamt ein eher zynischer Grundton und ein verächtlicher Blick auf die Bewegungslinke.

weitere Links:

Zum Force-Attack-Festival hatte der Veranstalter eine „Antisexismus Gruppe Potsdam“ angefragt, ob sie auf dem Festival ein „eigens dafür eingerichtetes Kontakt- und Rückzugszelt im Backstagebereich des Festivalgeländes betreuen“ würden“ und bot Bezahlung, Verpflegung und Unterstützung an. Die Gruppe erklärten dem Veranstalter schriftlich, „dass AntisexismusArbeit viel mehr heißt als bloß in ‚einem Zelt zu hocken‘ “ und handelten sich so eine Absage ein. Daraufhin schrieben sie einen offenen Brief und veröffentlichten diesen u.a. auf Indymedia.

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